Schlechter Presssitz durch Korrosionsschutzmittel?

Lars Butenschön | 9. September 2021

Lagerschäden sind nicht selten auf unzureichenden Presssitz zurück zu führen. Unzureichend in der Lagerstelle fixierte Lagerbuchsen zählen neben Mangelschmierung oder falscher Auslegung zu den häufigsten Ursachen für vorzeitige Ausfälle. Gründe für unzureichenden Presssitz gibt es viele. Aber wussten Sie, dass Korrosionsschutzmittel dazu gehören?

Warum der Presssitz wichtig ist

Vor allem für den Trockenlauf bestimmte Buchsen sind so konzipiert, dass die Relativbewegung in der Lagerstelle ausschließlich zwischen Buchse und Welle bzw. Buchse und Lagerbolzen stattfindet. Nicht nur bieten je nach Buchsen-Ausführung ausschließlich die Innenflächen gute Gleiteigenschaften – auch die Wellen bzw. Bolzen sind in der Regel für die Bewegung im Lager optimiert. Anders sieht es bei den Innenflächen der Aufnahmebohrungen aus.

Dementsprechend unvorteilhaft ist es, wenn der Presssitz der Buchse verloren geht, und sich die Buchse in der Aufnahmebohrung bewegt.

Ein weiteres Problem stellt in diesem Zusammenhang die zusätzliche mechanische Belastung der Buchse dar. Ragen in Folge der Bewegung Teile der Buchse aus der Aufnahme heraus, kann die Last nicht mehr durch das ganze Bauteil aufgenommen werden. Die Flächenpressung in der Buchse steigt. Auch Kantenlasten oder Scherkräfte können zur Beschädigung der Buchse führen.

Die Schadensbilder reichen vom abgescherten Lagerbund bis zur völlig zerstörten Buchse mit tiefen Einlaufspuren an den häufig teuren Wellen oder Aufnahmeblechen.

Zu den häufigsten Ursachen für unzureichenden Presssitz gehören Veränderungen in der mechanischen Bauteilspannung, beispielsweise thermische Veränderungen oder Feuchtigkeitsverhältnisse. Diese lassen sich durch die Wahl des richtigen Werkstoffs vermeiden. Andere Ursachen können fehlerhaft oder unpassend gewählte Bauteiltoleranzen sein.

Verringerter Presssitz durch Korrosionsschutzmittel?

Zum Schutz vor Korrosion in der Lagerstelle empfehlen Lagerhersteller bei trockenlaufenden Buchsen einen zusätzlichen Korrosionsschutz aufzubringen. Dies sind häufig Wachse, die bei der Montage einmalig in der Aufnahmebohrung aufgetragen werden. So kann de Lagerstelle auch ohne Dauerschmierung vor Korrosion geschützt werden.

Der Haken? Korrosionsschutzmittel können den Presssitz verschlechtern, indem sie die Haftreibung und damit die zum Auspressen der Buchse nötige Kraft herabsetzen. Um diesen Effekt genauer zu betrachten, haben wir entsprechende Versuche mit verschiedenen gängigen Korrosionsschutzmitteln durchgeführt.

Fazit: Mit dem richtigen Korrosionsschutzmittel verbessern Sie den Presssitz sogar

Um die Auswirkung von Korrosionsschutzmitteln auf den Presssitz von Buchsen zu untersuchen, haben wir Auspress-Versuche mit iglidur® G Buchsen in Kombination mit verschiedenen Korrosionsschutzmitteln der Marke TectylTM durchgeführt. Dabei wurden Buchsen mit 40 mm Innen- und 44 mm Außendurchmesser mit 40 mm Länge in eine jeweils mit verschiedenen Korrosionsschutzmitteln vorbehandelte Prüfaufnahme zunächst eingepresst und schließlich unter Messung der nötigen Kraft ausgepresst. In einem Diagramm wurden anschließend die gemessenen Werte mit der Referenz ohne Korrosionsschutzmittel Prozentual gegenüber gestellt.

Auswirkung verschiedener Korrosionsschutzmittel auf den Presssitz (Quelle: igus GmbH)

Das Ergebnis zeigt dass die aufzuwendende Auspresskraft stark von dem jeweiligen Korrosionsschutzmittel beeinflusst wird. Während beispielsweise mit dem Korrosionsschutzmittel TectylTM 210-R ca. 80% des ursprünglichen Auspresswiderstands verbleiben, konnte dieser mit der Verwendung von TectylTM 300G Clear E auf über 240% gesteigert und damit deutlich verbessert werden. Entscheidend ist daher, das richtige Korrosionsschutzmittel für die jeweilige Anwendung zu verwenden.

Wir beraten Sie kostenlos!

Ob bei der Wahl des richtigen Korrosionsschutzmittels für unsere iglidur® Gleitlager oder der Auslegung Ihrer Lagerstelle. Wir unterstützen Sie kostenlos und unverbindlich, von der Konzeptionierung bis zur Lieferung des fertigen Produkts.

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