Was ist eine Kabelverschraubung?

Mario Schubert | 13. August 2019

Eine Kabelverschraubung, auch Quetschverschraubung oder Kabeleinführung genannt, führt Kabel abgedichtet und zugentlastet in Gehäuse ein. Als Umhausung dienen z.B. Stecker, Klemmkasten oder Schaltschrank, Bedienpult, Galgenkasten, Kranflasche oder Verdrahtungsboxen. Eine Kabelverschraubung sorgt für eine sichere Abdichtung der Leitung am Durchgang durch eine Seitenwand oder Blechplatte in den Klemmraum. Darüber hinaus gewährleistet sie den Schutz des Schaltschrankes vor äußeren Einflüssen (z.B. Staub oder Feuchtigkeit). Je nach Anwendungsgebiet und Umgebungseinflüssen müssen weitere Eigenschaften, wie EMV-Verträglichkeit oder ATEX-Zulassungen für EX geschützte Bereiche, berücksichtigt werden. 

Kabelverschraubungen können die Leitungen nicht nur abdichten oder zugentlasten, sondern verhindern auch ein Abknicken des Kabels durch spezielle Knickschutztüllen. Eine Kabelverschraubung schützt daher elektrische Betriebsmittel selbst und stellt auch sicher, dass Leitungen, die mit einem Schaltschrank verbunden werden, weiterhin ihre volle Funktionalität behalten.

Kabelverschraubungen aus Polyamid und Messing vernickelt
Kabelverschraubungen aus Polyamid und Messing vernickelt

Der Ursprung der Kabelverschraubung geht in die 1960er Jahre auf eine Entwicklung von Otto Pflitsch zurück. Er fertigte erstmalig eine Einführung elektrischer Kabel an, welche beim Festziehen einer Druckschraube einen Gummiring an die Leitung quetscht und das Gehäuse somit abdichtet.
Kurze Zeit später entwickelten Otto und Harald Pflitsch gemeinsam eine alternative Verschraubung. Durch diese wird die Leitung schonender durch einen alternativen Einsatz fixiert und der Übergang von der Leitung in das Gehäuse abgedichtet.

Die klassischen Hersteller von Kabelverschraubungen sind unter anderem:

  • Pflitsch
  • HUMMEL
  • Jacob
  • Weydemeyer
  • Kaiser GmbH
  • LAPP
  • Bopla
  • Icotek
  • Protec
  • OBO Bettermann

Heutzutage werden meist metrische Gewinde gemäß DIN EN 60423 verwendet. Neben metrischen Gewinden werden in einigen Ausnahmefällen, meist in älteren Anwendungen, bei denen umgebaut, instand gesetzt oder nachgerüstet wird (= Retrofit), PG-Kabelverschraubungen (Stahlpanzerrohrgewinde) gemäß DIN EN 62444 verwendet. Für alle Kabelverschraubungen gibt es entsprechende Erweiterungen oder Reduzierungen, um die Verschraubung auf eventuell vorhandene Gewinde anpassen zu können. Wenn die Kabelverschraubung in ein Durchgangsloch statt in ein Gewinde verbaut wird, muss mit einer entsprechenden Gegenmutter gekontert werden.

Anwendungsbereiche

readychain® mit angeschlossenem Klemmkasten
readychain® mit angeschlossenem Klemmkasten

Kabelverschraubungen sind in den verschiedensten Bereichen zu finden, unter anderem in den folgenden:

  • Elektrotechnik
  • Automatisierungstechnik
  • Maschinen- und Anlagenbau
  • Verkehrstechnik
  • Chemietechnik
  • Lebensmittelindustrie

Durch ihre vielfältigen Anwendungsbereiche müssen sie einer Breite an Anforderungen bezüglich Schutzart, Dauergebrauchstemperatur, Explosionsschutz, Schlagfestigkeit oder EMV (elektromagnetischer Verträglichkeit) entsprechen.

Kabelverschraubungen sind in verschiedenen Qualitäten erhältlich. Die drei gängigen Auswahlmöglichkeiten umfassen: Kunststoff, Messing (bzw. Messing vernickelt) und Edelstahl. Diese Materialien können mit Dichteinsätzen aus verschiedenen Werkstoffen kombiniert und auf den Leitungsdurchmesser sowie die Einsatzbedingungen und äußeren Einflüsse abgestimmt werden. Als Formdichtung bietet sich hier Elastomer, wie Acrylnitril-Butadien-Kautschuk (NBR), Fluorkautschuk (FPM) oder Silikon (VMQ), an.

In der Chemietechnik sowie in der Lebensmittelindustrie kommen z.B. Kabelverschraubungen aus Edelstahl (INOX 1.4305) zum Einsatz. Aus hygienischen sowie gesundheitlichen Gründen oder auch durch die Verwendung von teilweise aggressiven Reinigungsmitteln und Chemikalien innerhalb beider Branchen, ist die Verwendung von Edelstahl Pflicht. Edelstahl ist ein widerstandsfähiges Material und hält äußeren Einflüssen besonders gut Stand. Je nach Anwendungsbereich sollten neben dem geeigneten Material weitere Faktoren berücksichtigt werden.

Wie wähle ich die richtige Kabelverschraubung aus?

Bei der Auswahl sind bspw. folgende 3 Faktoren zu beachten:

1 Gewindegröße

Um die verschiedenen Leitungsdurchmesser mit der für die Kabelverschraubung vorgesehene Gewindegröße zu kombinieren, sind die Verschraubungen in unterschiedliche Klemmbereiche unterteilt. Das metrische Maß (M) bildet die Nenngröße bei Kabelverschraubungen in Kombination mit darauffolgenden Ziffern für die Gewindegröße.

Die folgende Tabelle hilft Ihnen bei der Wahl der richtigen Kabelverschraubung:

Unterteilung der Verschraubungen in die verschiedenen Klemmbereiche
Unterteilung der Verschraubungen in die verschiedenen Klemmbereiche


2 Äußere Einflüsse

Kabelverschraubungen können in den unterschiedlichsten Umgebungen zum Einsatz kommen – entsprechend unterschiedlich sind die äußeren Einflüsse, die auf die Leitungen und die Verschraubung einwirken.

In bestimmten Anwendungsbereichen sind die Verschraubungen Feuchtigkeit oder Wasser ausgesetzt. Hier ist ein Schutzgrad des Steckers zum Schutz vor Eindringen von Feuchtigkeit bzw. Wasser in das Gehäuse notwendig. Je nach Anwendungsbereich sollte ebenso ein Schutz gegen Berührung sowie Fremdkörper berücksichtigt werden. In unserem Beitrag zum Thema Schutzarten zeigen wir Ihnen, welche Schutzart für welchen Anwendungsbereich geeignet ist.

3 Material

Je nach Art der äußeren Einflüsse, denen die Kabelverschraubung ausgesetzt wird, ist es wichtig ein für den Anwendungsbereich geeignetes Material der Verschraubung zu wählen.

Wie bereits beschrieben, kommen Kabelverschraubungen aus Edelstahl z.B. in der Lebensmittel- sowie Chemiebranche zum Einsatz. Aufgrund der Beständigkeit gegen äußere Einwirkungen ist Edelstahl hier nicht nur besonders geeignet, sondern auch Vorschrift.
Messing-Kabelverschraubungen werden üblicherweise in sog. „hazardous Areas“ eingesetzt, die z.B. in der Öl- und Gasindustrie vorkommen.
Kabelverschraubungen mit der Materialeigenschaft „Messing vernickelt“ sind oft in erhöhten rauen Industrieanwendungen zu finden. Gerne auch in einer EMV tauglichen Variante mit einem speziellen Schirmkonzept.
Kunststoffkabelverschraubung aus Polyvinylchlorid (PVC), Polyvinylidenfluorid (PVDF) oder auch Polyamid (PA) werden ebenfalls in der Industrie je nach Anwendung und Umgebungsbedingungen verwendet.

Welche Kabelverschraubungen bei igus® eingesetzt werden

Kabeverschraubungen in Action

igus® bietet Kabelverschraubungen aus Messing (vernickelt) und Polyamid (Kunststoff) an. Eine Auswahl an Kabelverschraubungen finden Sie auf unserer Website unter Kabelverschraubungen.

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Gerne unterstützen wir Sie bei der Auswahl der für Ihre Anwendung richtigen Kabelverschraubung. Kontaktieren Sie unseren Produktmanager direkt.



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