Was ist der Unterschied zwischen einer Steuer- und einer Motorleitung?

Sascha Mais | 22. April 2020

Es gibt verschiedene Leitungstypen, die für unterschiedlichste Anwendungen gefertigt werden. In einem unserer letzten Beiträge haben wir uns die Servo- und Motorleitung genauer angesehen.

Heute klären wir die Frage: Was ist der Unterschied zwischen einer Steuer- und einer Motorleitung?

Was ist der Unterschied zwischen einer Steuer- und einer Motorleitung?

Der wesentliche Unterschied einer Steuer- bzw. einer Motorleitung liegt in der Spannungsklasse. Während eine Steuerleitung üblicherweise eine Spannungsklasse von 300V / 500V hat, liegt die Spannungsklasse einer Motorleitung bei 600V / 1000V.

Der Grund dafür liegt in der Stärke der Aderisolierung. Diese ist bei einer Motorleitung, trotz gleichem Leiterquerschnitt, stärker als bei einer Steuerleitung. Dadurch erreicht die Aderisolation eine höhere Kapazität, wodurch die Leitung wiederum die höhere Spannungsklasse erreicht.

Darüber hinaus erhält man Motorleitungen erst ab einem Leiterquerschnitt von 0,75mm². Eine Steuerleitung hingegen gibt es bereits mit einem Querschnitt von 0,25mm². Auch bei der oberen Grenze des Querschnitts lassen sich Unterschiede feststellen. So werden Steuerleitungen in den meisten Fällen nur bis zu einem Querschnitt von 6mm² angeboten. Motorleitungen mit einem Querschnitt von 50mm² und mehr dagegen sind bei größeren Anlagen nicht unüblich.

Leitung CF5
CF5
Leitung CF30
CF30

Ein weiterer Unterschied lässt sich in der Aderanzahl feststellen. Während Motorleitungen typischerweise mit vier Adern (L1, L2, L3, PE) oder als Einzelader angeboten werden, besteht eine Steuerleitung häufig aus viel mehr Adern. Die Anforderung an eine Motorleitung ist immer die Gleiche. Nämlich die Versorgung eines Motors mit Strom. Deshalb haben sie auch immer dieselbe Aderkombination: 3 Phasen und einen Schutzleiter. Steuerungen dagegen sind häufig deutlich komplexer und benötigen daher mehr Adern, um die verschiedenen Signale an die entsprechenden Stellen zu übertragen.

Was bedeuten die Angaben 300V/ 500V bzw. 600V / 1000V

Diese Angaben beschreiben die zulässige Nennspannung einer Leitung, angegeben in Volt. Der erste Wert ist der maximal zulässige Effektivwert zwischen Leiter und Schutzleiter. Der zweite Wert ist der maximal zulässige Effektivwert zwischen zwei Leitern des gleichen Spannungssystems, also L1-L2.

Was sind die typischen Einsatzgebiete der beiden Leitungstypen?

Die klassische Steuerleitung findet man häufig in den gleichen Anlagen wie die Motorleitung. Sie haben jedoch eine andere Funktion. Steuerleitungen werden zur Übertragung von Signalen eingesetzt und als Energieversorgung kleinerer Anwendungen gebraucht.

Motorleitungen kommen, wie es der Name schon verrät, überall dort zum Einsatz, wo viel Energie (Strom & Spannung) an einen Verbraucher übertragen werden muss, wie z.B. Motoren. Ein Beispiel hierfür ist der Motor eines Hafenkrans.

Da in vielen Bereichen eine Spannungsklasse von 300/500V völlig ausreichend ist, wird die Steuerleitung öfter eingesetzt. Wird ein Motor beispielsweise über eine haushaltsübliche Steckdose versorgt, spricht nichts dagegen, anstelle einer Motorleitung eine Steuerleitung einzusetzen. Dies ist möglich, weil der Motor ja nur an der Nennspannung von 230V/400V betrieben wird.

Die Motorleitung mit Ihrer Spannungsklasse von 600/1000V wird benötigt, wenn der Motor durch einen Frequenzumrichter mit der Drehzahl geregelt wird und durch die Pulsweiten Modulation Spannungsspitzen entstehen.

Wäre es nicht einfacher alle Leitungen mit einer höheren Spannungsklasse zu fertigen?

Mit diesem Schritt würde man Einiges vereinfachen. Mit dem Ergebnis einer Leitung, die beides kann. Motorleitungen sind jedoch durch die aufwendigere Aderisolation teurer und dicker im Vergleich zu einer Steuerleitung. Oft werden sie nicht benötigt.

Da in vielen Bereichen eine Spannungsklasse von 300V / 500V völlig ausreichend ist, haben beide Leitungstypen ihre Berechtigung. Hat man beispielsweise einen Motor, der mit einer Nennspannung von 230 V betrieben wird, spricht nichts dagegen zur Stromversorgung, anstelle einer Motorleitung, eine Steuerleitung einzusetzen. Das wäre die kostengünstigere Alternative.

Fazit

Steuer- und Motorleitungen zeigen zwar einige Parallelen, werden aber zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt. Zusätzlich zeigen der Einsatz in verschiedenen Spannungsklassen und auch der abweichende Querschnitt die Notwendigkeit beider Leitungstypen auf dem Markt.

Beide Leitungstypen sind sowohl mit als auch ohne Schirmung erhältlich.

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