Türen im Bahnbereich – Rollen oder Gleiten?

Thorsten Mersch | 13. Mai 2020

Im Bereich der Schienenfahrzeuge gibt es einige verschiedene Türsysteme. Einstiegs- und Abteiltüren, Türen von Nasszellen oder auch die Bahnsteigtüren. Diese sind heutzutage fast ausschließlich Schiebe- und Schwenkschiebetüren.  Ein Exot ist in manchen Fällen die Tür für die Waschräume. Damit auch Rollstuhlfahrer genug Platz im Waschraum haben, sind die Türblätter und die Führung gebogen.

Alle Türen haben aber eine Sache gemeinsam; sie müssen geführt werden. Bei der Führung stellt sich oft die Frage, ob man das Türblatt gleitend oder rollend lagert. Meine Antwort darauf: Beide Varianten nutzen.

Eine Gleitlagerung hat den Vorteil, dass sie schmutzunempfindlicher ist, und eine deutlich längere Lebensdauer aufweist, da die Last auf einer größeren Fläche verteilt wird. Dennoch sollte es vermieden werden, ob und unten die Türe mit Gleitern zu lagern. Grund ist hier der relativ hohe Reibwert. Dieser bringt zwei Nachteile mit sich. Zum einen wird die erforderliche Antriebskraft zum Öffnen und Schließen der Türen höher, zum anderen kann das ganze System leichter verklemmen.

Wie auf dem Bild zu sehen ist, darf der Lastschwerpunkt oder der Antriebspunkt (z.B. eine Türklinke) nicht weiter als doppelt so entfernt vom Lager sein, als wie der Abstand beider Lager zueinander ist.

Die 2:1 Regel für Gleitlager

Deshalb sollte man auch immer zusätzlich eine Kunststoffrolle in der Führung einsetzen. Sobald eine Rolle im Spiel ist verringert sich der Reibwert und somit die erforderliche Antriebskraft und das Hebelverhältnis. Auch bei der Rolle selbst sollte man dann noch prüfen, ob der Reibwert niedrig genug ist, wenn die Rolle direkt auf dem Bolzen gleitet, oder ob man die Rolle nochmals mittels Kugellager lagert.

Bei dem Thema Kugellager ist man dann auch schon bei einem großen Nachteil dieser Lösung. Nämlich die Schmierung. Eine im Bodenbereich verbaute Rolle kommt schnell mit Dreck wie Laub, Streugut oder auch Fasern von Teppichen und Kleidung in Kontakt. Diese Partikel bleiben an der Schmierung kleben und können Geräusche, Verschleiß und ein Verklemmen verursachen. Zudem muss man bei Rollen den Werkstoff mit Bedacht auswählen. Ansonsten kann es zum Pitting durch walkende Kräfte kommen.

Rolle mit Materialausbrüchen – Pittingbildung

Man sieht, dass eine gleitende und auch eine rollende Option nicht allein die Lösung sein können. Daher nochmal zurück zu meiner oben gestellten Frage und meiner Antwort.

Eine optimale Türführung nutzt beide Elemente. Die obere Führung sollte mit Rollen gelagert werden. Ob man hier selbstkonstruierte Vollkunststoffrollen, mit oder ohne eingepressten Kugellagern nimmt, oder auf ein Standardsortiment an Rollenführungen zurückgreift. Wichtig ist, dass die Last der Türblätter von den oberen Rollen aufgenommen wird. Im Bodenbereich sollte die Tür frei hängen und nur durch ein T- oder U-Profil seitlich geführt werden. Auch hier kann man zwischen verschiedenen Varianten wählen. Ein gespritzten Sondergleiter, der an die Tür befestigt wird, oder gefrästes bzw. extrudiertes Sonderprofil, worin das Türblatt gleiten kann.

So schafft man den Spagat zwischen Wartungsfreiheit, hoher Laufleistung und Leichtgängigkeit.

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Artikel Schlagwörter:

Bahntechnik Gleitlager Hybridlager Rollen

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