Kunststoff Gleitlager in der Bahntechnik

Thorsten Mersch | 31. Juli 2019

In einem Jahr reise ich in viele Länder und besuche noch mehr Kunden, die in der Bahnindustrie tätig sind. Deutschland, Spanien, China und viele mehr.

Kunden im Bereich des Fahrzeugbaus und deren Zulieferer. Hersteller von Weichen und Produzenten von Güterwaggons. Es sind immer unterschiedliche Anwendungen, aber dennoch gibt es doch oft eine Gemeinsamkeit.

Trotz ständigen Innovationen in fast allen Bereichen, gibt es immer noch eine gewisse konservative Haltung gegenüber Kunststoffen. Besonders wenn die Kunststoffe viele technische Eigenschaften mit sich bringen müssen. Wenn es dann noch in einem sicherheitsrelevanten Bauteil eingesetzt werden soll, sieht man schon den Zweifel in den Augen des Konstrukteurs.

Natürlich ist der Zweifel auch zurecht begründet. Sind doch in Drehgestellen, Bremsen, Weichenzungen die Gleitlager Vibrationen, hohen Kräften, extreme Kälte und Wärme, Witterung und Feuchtigkeit ausgesetzt. 10 Jahre soll das ganze halten und auch 1.000.000 Zyklen überdauern. Wartungs – und Schmiermittelfreiheit kommt auch noch dazu.

Wie schön, wenn mein Ansprechpartner in der Konstruktion bzw. im Einkauf mir doch jetzt glauben würde, dass das alles kein Problem ist. „Verschleißfest bei -40°C ? Ja, kein Problem.“ „Super, dann haben Sie hier die Bestellung für 10.000 €.“  „Danke, Auf Wiedersehen.“

Glücklicher Weise fordern uns unsere Kunden doch noch ein bisschen mehr. Wie also überzeugen wir nun eine ganze Branche von Kunststoffgleitlagern oder auch gewickelten Gleitlagern. Mit Fakten basierend auf Labortests und Feldversuchen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Auf einer Fläche von 3.800 m² testen wir ausgiebig unsere Produkte. Die Lebensdauer von Gleitlagern in Kunden-Anwendungen zu berechnen ist für uns ein Kinderspiel. Testen Sie es selber aus. Alle berechneten Angaben basieren auf unseren Tests im Labor.

Natürlich können wir nicht jeden unserer über 50 Werkstoffe in die Kältekammer bei -40°C prüfen. Aber vielleicht hat der Kunde (oder Sie, während Sie den Blog lesen) sich ja gerade eben schon mit Hilfe unserer Lebensdauerberechnung zwei Werkstoffe ausgesucht. So können wir dann auch beweisen, dass die Lebensdauer bei Minustemperaturen nicht nur gleichbleibt, sondern sich auch deutlich verbessern kann.

Super. Geschafft. Dann steht der Bestellung ja nichts mehr im Weg, richtig?

Falsch. „Was ist mit den Ein- und Auspresskräften?“ lautet die nächste Frage. Auch hier bieten wir Lösungen an. Wie verändern sich die Kräfte, wenn die Aufnahme um ein oder zwei Prozent verkleinert wird? Speziell für den Kunden abgestimmte Ein- und Auspressversuche bringen uns näher an das Ziel.

Und so geht es weiter und weiter. Solange noch Fragen offen sind und Zweifel bestehen, werden diese beantwortet und getestet.

Am Schluss ist mein Gegenüber doch überzeugt. Jetzt endlich können mit besten Gewissen kostenlose Muster bestellt werden.

Der Feldtest dauert dann auch nur ein bis zwei Jahre. Man muss den Betreiber noch überzeugen. Der ist ja auch noch konservativ.

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1 Kommentare
Angela Schwarz

Toll geschrieben - macht Spaß zu lesen.

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