chainflex Leitungen kannste knicken biegen!
Was ist der Biegefaktor?

Nils Krützmann | 7. September 2021

Vermutlich hat jeder früher schon einmal einen Löffel aus der Küche oder in der Jugendherberge genommen und angefangen, diesen hin und her zu biegen. Als ich das erste Mal heimlich einen Löffel verbog, habe ich etwas verdutzt geguckt, als ich ihn nicht wieder richtig zurück biegen konnte. Also habe ich das für einen kleinen Jungen einzig „logische“ gemacht und dafür gesorgt, dass meine Mutter diesen deformierten Löffel nie wieder finden würde. Als ich bei igus anfing, sah ich mich erneut mit dem Biegen konfrontiert. Dieses Mal allerdings bei Leitungen und nicht bei Löffeln – Glück gehabt! Was es nun mit dem Biegefaktor auf sich hat schauen wir uns heute genauer an.

In der Anfangszeit hörte ich ständig Begriffe wie Mindestbiegeradius oder Biegefaktor und versuchte, diese zu verstehen und einzuordnen. Daher möchten wir in diesem Blogbeitrag erklären, was genau der Biegefaktor ist, wie er mit dem Mindestbiegeradius zusammenhängt und warum er für gewisse Anwendungen eine besondere Rolle spielt.

Von der Leitung zum Biegefaktor

Basierend auf einem DIN-Test gibt der Leitungshersteller in der Regel den Biegefaktor für die Festverlegung und die gelegentliche Bewegung an. Festverlegung bedeutet, dass die Leitung einmal gebogen und so montiert wird, wie z.B. Leitungen für Steckdosen in der Hausinstallation. Diese Leitungen bestehen in der Regel aus einer starren, massiven Leiter und sind schwierig zu biegen. Gelegentliche Bewegung beinhaltet Verbraucher, die, wer hätte es gedacht, vereinzelt bewegt werden. Bleiben wir in der Küche sind dies beispielsweise der Geschirrspüler oder ein Standmixer. Diese Leitungen besitzen Adern mit Litzen, die miteinander verseilt und deutlich flexibler sind.

Da wir uns bei chainflex auf den Einsatz der Leitungen in der Energiekette spezialisiert haben, erhalten chainflex Leitungen neben diesen beiden Bewegungsarten noch einen Biegefaktor für die Energiekette. Die Energiekette ist der anspruchsvollste Einsatzort für eine Leitung und dementsprechend ist hier der Biegefaktor am höchsten. Ein Löffel lässt sich vielleicht ein paar Mal biegen, bevor er weich wird oder sogar bricht. Um das zu vermeiden, sind chainflex Leitungen für den Einsatz in der Energiekette optimiert und lassen sich bis zu mehrere Millionen Male biegen.

In Anlehnung an unsere chainflex Garantie wird der empfohlene Biegefaktor für einen bestimmten Temperatur- und Verfahrwegsbereich angegeben. Dadurch kann er auch bei der gleichen Leitung variieren. Weitere Informationen zur chainflex Garantie finden Sie hier.




Abbildung 1: Temperatur- und Verfahrwegabhängige Biegefaktoren (R min.) am Beispiel der Leitungsserie CF6. Die Installation der Leitung wird innerhalb des mittleren Temperaturbereichs empfohlen.

Warum ist der Biegefaktor so wichtig?

Leitungen verhalten sich zum Glück nicht wie Löffel und lassen sich relativ leicht wieder in ihre Ausgangsposition bringen. Dennoch werden, durch die fortwährende Bewegung und Biegung der Energiekette, die verlegten Leitungen kontinuierlich belastet. Die Innenseite wird gestaucht und die Außenseite gestreckt. Ein falscher Biegefaktor führt zu Schäden an der Leitung. Es kann dadurch ein Ausfall der Leitung hervorgerufen werden. Somit ist einer der wichtigsten Faktoren für die Langlebigkeit und Betriebssicherheit einer Leitung die Wahl des richtigen Biegeradius.

Mit Hilfe des Biegefaktors lässt sich der Mindestbiegeradius einer Leitung berechnen. Die Formel hierfür lautet:

Mindestbiegeradius = Biegefaktor x d

Wobei „d“ der maximale Außendurchmesser [in mm] der gewählten Leitung ist.

Die entsprechende Leitung sollte nicht unter den berechneten Wert gebogen werden, damit die Funktionsfähigkeit dauerhaft gewährleistet ist. Je größer der tatsächlich verwendete Biegeradius im Vergleich zum berechneten Mindestbiegeradius, desto höher liegt die zu erwartende Lebensdauer der Leitung.

Die richtige Leitung für Ihre Anwendung

Neben Aspekten wie Verfahrweg, Temperatur oder Ölbeständigkeit ist der Biegeradius und somit der Biegefaktor ein wesentliches Element für die Auswahl der richtigen Leitung. Vor allem bei engen Bauräumen ist dieses Kriterium besonders wichtig. Igus® hat Leitungen im Produktportfolio mit einem Biegefaktor zwischen 4 und 15. Auf der einen Seite können Sie durch diese technische Vielfalt die Leitung mit dem passenden Biegeradius auswählen und selbst engste Bauräume problemlos auslegen. Auf der anderen Seite ergeben sich hierbei auch preisliche Unterschiede. In der Regel sind Leitungen mit einem höheren Biegefaktor günstiger, sodass Sie durch die korrekte Leitungswahl Kosten sparen können.

Weitere Informationen zum Thema Kosten sparen und/oder Technik verbessern finden Sie auf unserer Preis-Check Seite.

Fazit

Eine potenziell günstigere Leitung mit einem hohen Biegefaktor „auf Biegen und Brechen“ einzusetzen kann über einen längeren Zeitraum betrachtet zur Kostenfalle werden. Nämlich dann, wenn z.B. Maschinenausfälle eintreten und Instandhaltungsmaßnahmen erforderlich werden. Damit niemand diese Suppe auslöffeln muss, sollte es gar nicht erst so weit kommen und von Anfang an die korrekte Leitung eingesetzt werden.

Sind Sie unsicher, welche Leitung oder welcher Biegeradius für Ihre Anwendung richtig ist? Lassen Sie sich nicht die Suppe versalzen, sondern sprechen Sie uns an! Wir helfen Ihnen gerne.

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