Die 3 häufigsten Irrtümer über Kunststoff Gleitlager

Lars Butenschön | 14. Oktober 2020

Kunststoffe sind aus dem alltäglichen Leben nicht mehr weg zu denken und haben sich über die letzten Jahrzehnte in sämtlichen Industriebereichen etabliert. Dass es nicht „den Kunststoff“ gibt, so wie es nicht „Das Metall“ gibt, ist den meisten mittlerweile bewusst. Auf der Jagd nach immer leichteren und ökonomischeren Werkstoffen für alle möglichen Probleme sind Kunststoffe längst Teil vieler Lösungen geworden und helfen, die Grenzen des Machbaren zu erweitern. Und dennoch, trotz dieser Flexibilität und Vielfältigkeit dieser Welt der Kunststoffe, gibt es in der Praxis Pauschalurteile und Irrtümer. Ich will daher heute einige davon beleuchten und auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen.

Irrtum Nummer 1: Kunststoff Gleitlager sind einfach zu weich

Die Behauptung leuchtet natürlich ein. Kunststoffe sind „weicher“ als Metall. Durch die Bank sind Werte wie die Druckfestigkeit oder die Oberflächenhärte deutlich niedriger. Und entsprechend halten Kunststoff Gleitlager auch „weniger aus“ als Metall.

Die Frage ist jedoch, was Gleitlager in ihren jeweiligen Anwendungen eigentlich aushalten müssen. Schauen Sie sich die Anwendungsparameter genau an. Wie hoch ist die Belastung des Gleitlagers wirklich? Rechnen Sie mit der bloßen Last, die getragen werden soll? Oder mit der Flächenpressung im Lager? Nicht selten stellt sich heraus, dass die Flächenpressung, also die über die tragende Fläche des Gleitlagers verteilt Last am Ende gar nicht so riesig ist. Selbst einfache Kunststoff-Gleitlager der Größe 20 x 20 mm tragen problemlos das Gewicht eines Kleinwagens (30 MPa Flächenpressung bei ca. 1.200 kg Gewicht).

Der wichtigste Punkt ist hier jedoch: Es handelt sich um Gleitlager und um rein tragende Elemente. Gleitlager sollen nicht einfach nur statisch Lasten tragen, sondern dynamisch – also in Bewegung. Damit dies mit Gleitlagern aus Metall möglich ist, müssen diese zusätzlich geschmiert werden. Trockenlaufende Metall-Lager funktionieren wiederum nur mit Kunststoff-Einlagen. Und diese bringen wieder die gleichen Nachteile mit sich, wie Gleitlager aus Kunststoff.

Irrtum Nummer 2: Kunststoff Gleitlager haben viel mehr Spiel und klappern

Sie ahnen es, auch hier bahnt sich ein „ja aber“ an. Ja, Gleitlager aus Kunststoff benötigen etwas mehr Spiel, als beispielsweise Kugellager. Doch der Vergleich hinkt. Gleitlager arbeiten – anders als Kugel- oder Wälzlager – auf dem Prinzip der Gleitreibung, während Kugel- und Wälzlager mit Rollreibung laufen. Damit die Gleitbewegung funktioniert, müssen die Bauteile beweglich und mit ausreichend Spiel gelagert sein. Hinzu kommt, dass sich Kunststoffe unter Wärme und Feuchtigkeitseinfluss ausdehnen. Dieser Effekt variiert jedoch stark mit der Art des Kunststoffs. So können Kunststoffe mit geringerer Wärmeausdehnung und geringer Feuchtigkeitsaufnahme auch mit sehr geringem Lagerspiel verwendet werden.

Richtig ist jedoch auch, dass Klappern und entsprechende Geräuschentwicklung im Betrieb gerade durch Kunststoff Gleitlager verbessert werden kann, da diese – den richtigen Kunststoff vorausgesetzt – Vibrationen besser dämpfen als metallische Gleitlager. Auch hier gilt es, die Situation in der Anwendung genau zu betrachten.

Irrtum Nummer 3: Gleitlager aus Kunststoff halten nicht so lange

Auch hier kommt es ganz auf die Anwendung an. Es gibt 2 Arten von Gleitlagern aus Metall. Die einen funktionieren nur so lange sie ausreichend und mit dem richtigen Schmierstoff geschmiert sind. Die anderen funktionieren so lange, bis die dünne Schicht aus gleitendem Kunststoff abgenutzt ist. Gleitlager aus Kunststoff bestehen in der Regel ausschließlich aus „verschleißbarem Material“ und laufen häufig ohne zusätzliche Schmierung. Neben der Haltbarkeit ist hier auch die Wartung und Ausfallsicherheit ein Thema. Zu den häufigsten Ursachen für den Ausfall von Gleitlagern zählt nicht das „natürliche“ Ableben sondern der vorzeitige Ausfall durch mangelnde Wartung.

Verschleiß-Vergleich verschiedener Gleitlager aus Kunststoff und Metall
Verschleiß-Vergleich verschiedener Gleitlager aus Kunststoff und Metall

Fazit: Auf den richtigen Kunststoff kommt es an

So wie es nicht DAS eine Metall für Gleitlager gibt, gibt es auch nicht DEN einen Kunststoff für Gleitlager. Richtig ist aber auch, dass die Auswahl mithin sehr schwer fallen kann. Im Dickicht der Marken und Handel- und Typenbezeichnungen fällt es oft schwer, nur anhand von Datenblättern und Verkaufsberatungen die richtige Lösung zu finden.

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