Quietschende Gleitlager – So gelingt die Geräuschreduzierung

Lars Butenschön | 18. November 2020

Es gibt wahrscheinlich wenige so nervtötende und so aufwändig zu behebende Probleme. Ob im Auto, Fahrrad oder in der vollautomatisierten und durch-digitalisierten Industrie 4.0 IoT Verpackungsmaschine: Störgeräusche. Quietschende Gleitlager sind natürlich nur eine mögliche Quelle aber dafür häufiger als Sie denken. Ist die Quelle damit dann gefunden, fängt der Spaß dann auch erst richtig an. Maschine, Fahrrad oder Auto auseinandernehmen, Lager ausbauen… und dann? Warum quietscht denn das neue Lager auch? Liegt es an der Welle? Zu wenig Schmierung? Am Lagerwerkstoff? An den Toleranzen? Fluchtet das Lager nicht richtig? Das Wort Flucht kommt einem dann schnell auch in anderem Zusammenhang sehr interessant vor. Was also tun? Ruhe bewahren und weiterlesen :).

„Quietschen, Knarzen oder Ruckeln darf bei einem Stuhl in diesem Preissegment auf gar keinen Fall vorkommen“. Warum der Büromöbel-Hersteller Nowy Styl auf iglidur® Gleitlager setzt: Mehr erfahren

Warum quietschen Gleitlager überhaupt?

Zur häufigsten Ursache für quietschende Gleitlager gehört der sogenannte „Stick-Slip-Effekt„. Dieser Effekt entsteht vor allem dann, wenn Gleitlager und Welle sehr glatt sind. Das ist einigermaßen un-intuitiv, weil Lagerstellen ja in aller Regel möglichst geringe Reibwerte aufweisen – also möglichst glatt sein sollen. So kann es sein, dass die Oberflächen „zu glatt“ sind, weil die verwendeten Kunststoffgleitlager noch „spritzfrisch“ sind (Im Spritzguss hergestellte Gleitlager weisen häufig eine dünne und besonders glatte Oberfläche auf). Auch sind die meisten trocken laufenden Gleitlager darauf ausgelegt, dass im Betrieb etwas vom integrierten Festschmierstoff (z.B. MoS2 oder PTFE) auf die Welle übertragen wird. Während die Spritzhaut in den ersten Betriebsstunden verschwindet, benötigt der Schmiermittelübetrag einige Betriebsstunden um in Effekt zu treten. Entsprechend geht das Quietschen nach dieser Einlaufphase häufig zurück.

Weitere Ursachen können ein zu großes Lagerspiel oder die erwähnte mangelnde Fluchtung sein. Zu großes Lagerspiel kann abhängig vom Bewegungsprofil zu Vibrationen und damit Klapper- und Quietschgeräuschen führen. Mangelnde Fluchtung – also nicht richtig ausgerichtete Lager oder eine nicht richtig zentrierte Welle können hier ebenfalls Probleme bereiten.

Tipp 1: …und häufig die einfachste Lösung gegen quietschende Lager. Schmieren.

Keine Sorge. Sie brauchen die sorgsam ausgewählten und beim Chef oder Kunden angepriesenen Trockenlauf-optimierten Hightech-Gleitlager nicht gleich in die Tonne werfen. Wir sprechen hier nicht von permanentem in-Schmiere-einkleistern sondern lediglich von etwas „“Initialschmierung“. Das klingt nicht nur toll sondern ist auch recht einfach zu bewerkstelligen. Einfach vor dem Einbau ein WENIG Schmierfett (Lesen Sie hier unsere Empfehlungen zu passenden Lösungen) .

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Auch Silikonfett oder – mit Abstrichen – WD-40 soll schon geholfen haben. Gerade bei letzterem gilt es aber zu beachten, dass der Schmier-effekt schnell schwindet und bei zu gutmütigem Auftragen ein kontraproduktiver klebriger Belag zurück bleibt.

Ein mal aufgebracht sollte das Quietschen relativ schnell verschwinden. Ist das Lager erstmal „eingelaufen“ braucht es auch die Schmierung nicht mehr, so dass Sie keine Nachschmierung vornehmen brauchen.

Tipp 2: Die richtige Wellen-Rauheit wählen

Oft meint man es ja gut. Da wird die Welle extra fürs Gleitlager möglichst glatt und entsprechend fein bearbeitet. Was vor allem zusätzlich Geld kostet, hilft am Ende nicht unbedingt. Halten Sie sich am besten an die Empfehlungen des jeweiligen Gleitlager-Herstellers. So sparen Sie nicht nur Kosten für die Bearbeitung der Lagerbolzen oder -Wellen sondern Sie verbessern gleichzeitig das Einlaufverhalten und reduzieren das Quietschen der Lager. igus empfiehlt unabhängig vom verwendeten iglidur® Werkstoff eine Oberflächenrauheit Ra von 0,2-0,4 µm. Diese Oberflächengüte lässt sich bereits mit einer Drehmaschine erreichen.

Tipp 3: Wenn alle Stricke reißen: Das Lager aufrauhen

Bei Verbundbuchsen aus Metall, die am Innendurchmesser nur einen dünnen Gleitfilm aus PTFE besitzen keine sehr praktikable Option, wohl aber bei Gleitlagern aus Kunststoff. Reiben Sie den Innendurchmesser ein wenig auf. Achten Sie aber auf das entstehende Lagerspiel. Ist dieses zu groß kann es je nach Betriebsart bzw. Bewegungsprofil wiederum zu lästigem Klappern oder Vibrationen kommen. Dann haben Sie am Ende auch nichts gewonnen.

Sie benötigen Hilfe bei quietschenden Gleitlagern? Wir beraten Sie kostenlos und unverbindlich

Unsere Gleitlager-Spezialisten beraten Sie gerne bei allen Fragen rund um die Lagertechnik und legen mit Ihnen Ihre Lagerstelle aus. Wir finden für Sie die passendste Lösung. Wir beraten Sie vor Ort, im virtuellen Meeting oder klassisch per Email oder Telefon. Zusätzlich bieten wir Sofort-Beratung via Livechat auf unserer Website an.

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