Metall oder Kunststoff? – 4 Gründe für Kunststoffgleitlager

Lars Butenschön | 3. April 2020

Anforderungen an Lagerstellen sind vielfältig und gehen oft über das hinaus, was technische Datenblätter liefern. Häufig gibt es „weiche“ Anforderungen, die sich nur schwer quantifizieren lassen, oder solche, die sich erst im Nachhinein in vorher unvorhergesehenen Einsatzbedingungen ergeben. Während der Konstruktionsphase stellt sich heraus, das zum Beispiel Schmierstoff nicht gewünscht ist, dass das Gewicht doch eine größere Rolle spielt, das der Bauraum in der Anwendung begrenzt ist, das die Kosten reduziert werden müssen oder das ein äußerst geringer Reibwert benötigt wird. Wir schauen uns diese Punkte in diesem Blog einmal genauer an und versuchen Ihnen zu erläutern was dafür sprechen kann Metallische Lager gegen Kunststoff zu tauschen.

1. Kunststoffgleitlager sind „wirklich“ wartungsfrei

Während Wartung von Maschinen und Anlagen in der Industrie häufig als notwendiges Übel akzeptiert wird, ist diese Notwendigkeit zum Beispiel bei Produkten für Konsumenten deutlich schlechter akzeptiert. Das fängt schon beim Auto an. „Ölwechsel? Ach, ich dachte das macht die Werkstatt eh immer mit… gut, da war ich das letzte mal vor 5 Jahren…is ja nix dran an dem Wagen. Fahre den ja immer in die Waschstraße.“. Das gleiche gilt aber für alle möglichen anderen Geräte. Rasenmäher, Waschmaschinen, Bürostühle. Alles Geräte, die einfach funktionieren sollen. Ist dann irgendwas vorzeitig kaputt ist der Hersteller schuld. (Der aber im Zweifelsfall auch erst auf Seite 34 in der kleingedruckten und 80-sprachigen Anleitung auf die notwendigen Reinigungsintervalle hinweist).

Kurzum: Das Thema Wartung ist ein Leidiges. Gleitlager aus Kunststoff können – richtig ausgelegt – die Lebensdauer vieler anderer Komponenten ohne zusätzliche Pflege überdauern. Warum? Weil Sie ohne Schmierung von Außen auskommen. Und das hat noch mehr Vorteile: Schmierstoffe gelangen in die Umwelt und an das Gerät selbst und verunreinigen diese. Des weiteren kann es zu Problemen mit Staub und Schmutz kommen. Der Schmierstoff an sich bindet die Partikel und führt zu einer Abrasiven Paste in der Lagerstelle, welche zu einem erhöhten Reibwert und zu einem vorzeitigen Ausfall der Lager führen kann.

2. Kunststoffgleitlager sparen Gewicht

Sie werden sich wundern, in wie vielen verschiedenen Anwendungen und aus wieviel verschiedenen Gründen Gewicht gespart werden muss. Von ganz praktikablen Beispielen wie leichter herum zu tragenden Kindersitz-Schalen, bis hin zur Steigerung der Reichweite oder maximalen Zuladung von LKWs ist alles möglich. Den größten Bereich stellen hier die ökologischen Aspekte dar. Je leichter Komponenten, Fahrzeuge und Geräte aller Art sind, desto weniger Energie wird zu ihrer Bewegung benötigt. So werden Treibstoffe und Strombedarfe eingespart. Kleinere Motoren sparen wiederum zusätzlich Gewicht und Kosten ein.

3. Gleitlager aus Kunststoff sparen Bauraum

Hinter diesem etwas sperrigen Begriff verbirgt sich ein ebenfalls sehr universeller Vorteil. Lager können schlicht kleiner gefertigt werden. Komplexe mehrlagige Kompositsysteme aus Schmier- und Stützschichten oder komplexe Kugel- oder Wälzlagersysteme sind größer und benötigen mehr Platz in der jeweiligen Baugruppe. Um diesen Platz zu schaffen, muss die Konstruktion um das Lager herum größer ausfallen. Die Folge – Mehr zu bewegende Masse. Mehr Gewicht. Mehr notwendige Antriebsenergie und höhere Kosten.

4. Kunststoffgleitlager sparen Kosten

Bei den meisten Produkten, Maschinen und Anlagen sind die Kosten das maßgebliche Kriterium für die Auswahl ihrer Komponenten. Die Herstellungskosten für Kunststoffgleitlager sind häufig günstiger als die von metallischen Gleit-, Wälz-, oder Kugellagern. Das liegt bei letzteren an der deutlich weniger komplizierten Bauweise. Bei metallischen Gleitlagern ergeben sich die Kostenvorteile aus dem Herstellungsverfahren (Spritzguss gegen Walzen und Stanzen) und den Rohstoffkosten. Über den Stückpreis hinaus ergeben sich die größten Einsparpotenziale jedoch aus aus den Einsparungen durch wegfallende Wartung und Schmierung.

Fazit

Am Ende kommt es dennoch auf die jeweilige Anwendung und die eingangs erwähnten spezifischen Anforderungen an. Datenblätter und Vergleichsrechner helfen – ersetzen aber häufig keine persönliche Beratung. Während das iglidur® Expertensystem mit wenigen Klicks genaue Angaben zur erwartbaren Lebensdauer der verschiedenen Gleitlagerwerkstoffe liefert, beraten wir Sie gerne auch persönlich, um die Anforderungen an die Lagerstellen in Ihrer Anwendung individuell bewerten und Ihnen das perfekte Gleitlager anbieten zu können. Probieren Sie´s aus!

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