Gleitlager richtig sichern- Teil 1: Warum Gleitlager „auswandern“

Lars Butenschön | 19. Juni 2018

Spricht man von „Auswandernden Gleitlagern“, hat das nichts mit neuen Fernsehformaten zu tun. Auch um die Arbeitsmoral der sonst wenig beachteten Maschinenkomponenten braucht sich niemand sorgen. Was dahinter steckt und wie man Gleitlager durch richtiges Sichern davon abhält, erfahrt ihr hier.

 

Was steckt dahinter?

Tatsächlich „wandern“ Gleitlager aus der Aufnahmebohrung aus, wenn der Presssitz verloren geht. Gleitlager werden häufig durch Einpressen in eine etwas kleiner tolerierte Aufnahme fixiert. Das Lager sitzt unter mechanischer Spannung fest in der Bohrung. Wird diese mechanische Spannung durch hohe Temperaturen oder eine dauerhafte Überschreitung der zulässigen Last verringert (Man spricht vom „Relaxieren“ und „Kriechen“ des Werkstoffs), verringert sich auch der Presssitz. Dabei kann es natürlich auch passieren, dass die Fertigungstoleranzen der Aufnahmebohrung so ungenau sind, dass die Bohrung nicht untermaßig genug ist. Auch hier kann das Lager nicht genügend Spannung aufbauen um einen Presssitz herzustellen.

Die Folge
Gleitlager richtig sichern: Schadensbild eines ausgewanderten Gleitlagers
Schadensbild: Zu hoher Temperatur bei hoher Geschwindigkeit: in der Aufnahmebohrung gedreht, anstatt gegen die tribologisch besser geeignete Welle zu laufen. Gut zu erkennen: starke Verschleißspuren außen. Der Staub stammt aus Lager und Aufnahme.

Gleitlager, die sich mit der Welle in der Aufnahmebohrung drehen, unerwünschte Geräusche erzeugen oder ganz aus der Aufnahme heraus fallen, was dazu führt dass die Welle ungeschützt in der Aufnahmebohrung dreht und nicht selten zu dramatischen Verschleißbildern führt.

Das muss natürlich nicht heißen, dass bei hohen Temperaturen oder hohen Lasten generell die Lager das ganze System zerstören. Wie Anwälte und Verkäufer gerne sagen: „es kommt darauf an“. Die genaue Last oder die Temperatur, die zum Verlust des Presssitz führt, ist abhängig vom jeweiligen Werkstoff und die Geschwindigkeit, mit der das Lager aus der Aufnahme „wandert“ ist abhängig vom Bewegungsprofil und der Richtung, aus der die Kraft wirkt.

 

Was also tun? Richtig Sichern!

Um das Konstrukteursleben etwas zu erleichtern, geben manche Hersteller die Temperaturen an, oberhalb derer die jeweiligen Gleitlager zusätzlich zu sichern sind. Auch sollte man sich nach der jeweiligen Empfehlung zur maximal zulässigen Flächenpressung (Also der Last, die durch das Lager getragen wird) richten.

Wir halten fest:

Gegen auswandernde Lager helfen die richtige Werkstoffauswahl oder konstruktive Änderungen an der Form des Bauteils. Was es mit „Verdrehnasen“, „Schnapp-“ und „Clipslösungen“ auf sich hat, erfahren Sie in Teil 2 unserer Serie.