Der Praxistest: Eine Reise um die Welt.

Ich habe bereits über die “iglidur® on tour” Crew und den Zeitplan berichtet. Nun ist es an der Zeit, um zu erzählen warum igus® sich dieser Aufgabe annimmt.

Der Praxistest Eine Reise um die Welt
Das “iglidur® on tour”-Logo. Die Welt innerhalb eines Gleitlagers und ein Pfeil verkörpert “einmal um die Welt”.

 

igus® verfügt über das weltweit größte Angebot an reibungsoptimierten Gleitlagern und hat sich als ein zuverlässiger Zuliefer der Automobilindustrie etabliert. Jedes zweite igus®-Gleitlager wird in Autos verbaut! Aufgrund des 30. Geburtstag von iglidur® und dem 50. von igus®, wurde diese Tour gestartet, um die Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit zu beweisen. Daher ist, wie ich bereits schrieb, unser iglidur®-Auto mit 56 iglidur®-Gleitlagern an unterschiedlichen Stellen ausgerüstet. Weiterhin möchte igus® alle Mitglieder vereinen indem alle Außenstellen bei dieser Tour dabei sind und ihren Beitrag leisten. Daher ist “iglidur® on tour” als ein globales Projekt der gesamten igus®-Familie einzustufen. Zu guter Letzt spendet igus® im jeweiligen Land pro angefangenen Kilometer einen Euro für gemeinnützige Zwecke.

Zur Verdeutlichung wurde ein Kilometerstand auf dieser Website installiert. Das iglidur®-Auto ist doch schon ein kleines Stück rumgekommen, nicht wahr?

 

Machen wir gleich weiter. Haltet nach uns Ausschau!

Karl

Das iglidur®-Auto

Ich habe einige Fragen bezüglich unseres kleinen orangen Freundes erhalten. Natürlich ist auch er ein Teil unseres Teams und wird vorgestellt.Das iglidur®-AutoDas ist unser iglidur®-Auto vor dem Ars Electronica Center in Linz.

Unser iglidur®-Auto ist ene normaler Kleinwagen, aber wir haben ihn etwas modifiziert. Der erste Schritt umfasste die Außenfarbe. Es wurde orange foliert und erhielt das offizielle igus®-Outfit. Aussehen schön und gut, aber schlußendlich zählen doch die inneren Werte. Die Fachhochschule in Köln riskierte gemeinsam mit igus® Experten und dem TÜV zusammen einen Blick hinter die Verkleidung. Mit der Frage “Wie können sie am besten ausgetauscht werden?” im Hinterkopf, wurden insgesamt 56 Lagerstellen ausgetauscht. Dies betrifft die folgenden Anwendungen:

  • Sitzverstellung
  • Bremspedal
  • Schaltung
  • Handbremse
  • Fensterheber
  • Verdeckkinematik
  • Scheibenwischer
  • Drosselklappe
  • Startgenerator

Das iglidur®-Auto.2
Die Verwandlung des iglidur®-Auto: Oben links – Fensterheber, Oben rechts – Startgenerator, Unten link – Handbremse, Unten rechts – Gangschaltung

Bisher hat unser Auto schon über 50.000 km auf dem Buckel und fuhr von Köln um die ganze Welt: Indien, China, Südkorea, Taiwan, Japan, Brasilien, Alaska und USA.


Das iglidur®-Auto hat schon viel gesehen.

Nun ist es an der Zeit Europa zu erobern und die Tour startet in Österreich!

Mal sehen was passiert,

Karl

Quingdao – Jinan (400km) DE

Heute würde ich euch gerne den Truck ein wenig näher vorstellen, der uns die gesamte Strecke durch China begleitet.

Quingdao - Jinan (400km) DE

Die Kombination aus unserem Auto und dem “Showtruck” ist ein großer Erfolg. Es handelt sich dabei um einen normalen orangefarbenen Truck, den wir umgebaut haben. Innerhalb von fünf Minuten lässt sich aus dem Truck ein Messestand errichten, der es in sich hat. Wir präsentieren dort einen Großteil unserer Produkte. Außerdem läuft ein Clip im Hintergrund, indem igus® China ein wenig näher erläutert wird.

Quingdao - Jinan (400km) DE.2

Für unsere Kunden bieten wir ein Komplettpaket an. Sie können nicht nur alle igus® Produkte näher betrachten (dazu gehört natürlich auch das Anfassen eines Produktes), sondern auch auf unsere technische Unterstützung zählen.

Quingdao - Jinan (400km) DE.3

Jeden Tag überreichen uns Dutzende Menschen ihre Kontaktdaten (und das nicht nur wegen der begehrten igus® Tasse, die es im Anschluss gibt 😉 ).

Quingdao - Jinan (400km) DE.4

Während des Besuches auf unserem Messestand lenken wir die Aufmerksamkeit auch gezielt auf das Auto. Wir bieten an, dass man damit eine Runde drehen kann. Viele erzählen meinen Kollegen (mein chinesisch ist leider sehr begrenzt und bei den meisten das Englisch auch), dass viele begeistert von dem Auto sind. Die meisten fügen dann noch hinzu, dass sie es für ein großes Abenteuer halten mit einem solchen Auto einmal um die Welt zu fahren. Ich habe für euch einen kurzen Clip zusammen gebastelt, der euch ein paar Eindrücke von den Kundenbesuchen vermitteln soll:

Vor zwei Tagen trudelten wir in Quingdao ein. Um ehrlich zu sein, habe ich noch nie von der Stadt gehört, aber es soll ein Magnet für Strandtouristen sein. Auf jedenfall wächst die Stadt ganz schön ordentlich. Sobald man sich in Stadnähe begibt, sieht man erstmal nur Baustellen.

Quingdao - Jinan (400km) DE.5

Die Stadt hat einen schönen Strand. Ich kann mir vorstellen, dass der im Sommer total überlaufen ist. Selbst jetzt im Winter war es für viele Chinesen wohl ein begehrtes Reiseziel.

Quingdao - Jinan (400km) DE.6

Quingdao - Jinan (400km) DE.7

In Quingdao trafen wir Abends einen unserer Zulieferer, der uns in China mit Messematerial versorgt. (Übrigens, die Hauptstraße in Quingdao heißt nicht mehr “Marktstraße”, sondern hat irgendeinen chinesischen Namen erhalten 😉 ).

Quingdao - Jinan (400km) DE.8

Sascha Kurtenbach, gebürtiger Kölner, lebt seit mehr als zehn Jahren in Quingdao. Er spricht fließend chinesisch, auch wenn er von sich selbst sagt, dass er nur etwa 3500 Schriftzeichen beherrscht. Das sei noch zu wenig um Zeitung zu lesen (Der Durchschnittschinese beherrscht etwa 5000 und ein Professor an der Uni knapp 10.000). Ich habe mich noch nicht an chinesisch versucht, kann mir aber vorstellen, dass es sehr mühsam ist diese Sprache zu erlernen.

Quingdao - Jinan (400km) DE.9

Beim letzten Eintrag habe ich erwähnt, dass ich Leute vorstellen möchte, die an dem Projekt beteiligt sind. Da der Fokus auf dem Truck liegt, würde ich gerne den Fahrer vorstellen.

Quingdao - Jinan (400km) DE.10

Herr Wang ist 35 Jahre und Vater von zwei Kindern. Mit seiner Familie lebt er in der Henan Provinz, wo wir in den kommenden Tagen einen bekannten Tempel besuchen werden. Obwohl er schon einige Jahre als Fahrer auf dem Buckel hat, so hat er noch nie einen solchen Truck gefahren. Besonders mag er vor allem zwei Dinge. Zum einen das der Truck sehr modern ist, was das fahren sehr angenehm macht und zum anderen das er auch anderweitig eingespannt wird. Immer wenn er den LKW in einen Messestand verwandelt hat, übt der sich darin uns zu unterstützen, indem er zum Beispiel Broschüren verteilt oder Leute an unsere Ansprechpartner verweist.

Quingdao - Jinan (400km) DE.11

Das war es vorerst wieder von der chinesischen Ostküste.
Ich halte euch auf dem Laufenden, bis demnächst,

euer Sascha

Shanghai – Quingdao (725km)

Ich kann immer noch nicht glauben, dass wir es wirklich geschafft haben. Ich sitze gerade im Auto und iglidur® FÄHRT vor mir.

Shanghai - Quingdao (725km)

Lasst mich euch erzählen, was so besonders da dran ist. Dienstag standen wir bei der chinesischen Version des Straßenverkehrsamtes und wollten unsere Fahrerlaubnis abholen. Unglücklicherweise, so hieß es dann, gäbe es Komplikationen mit unserem Fall und sie könnten uns keine ausstellen. Wenn wir mit einem deutschen Auto in China fahren wollen, dann benötigen wir eine Genehmigung, die nur vom Verkehrsministerium in Peking ausgestellt werden kann. Der absolute worst case.

Shanghai - Quingdao (725km).2

Was unsere Chinesischen Kollegen dann auf die Beine stellten war einfach unglaublich. Unsere Jungs in Peking verbrachten fast eine gesamte Woche bei Pekinger Behörden und unsere Shanghai Fraktion arbeitete Tag und Nacht, mit Unterstützung aus Deutschland, da dran unsere Dokumente zu modifizieren. Freitag Abend hieß es noch, dass es unwahrscheinlich wird eine Fahrerlaubnis zu erhalten. Samstag morgen dann der überraschende Anruf. Wir haben sie!

Shanghai - Quingdao (725km).3

Wirklich just in time für den Trip. Der “Showtruck”, ein eigens für die Tour entworfener Truck, der voll mit igus® Produkten ist, hatte Shanghai schon in Richtung Quingdao verlassen. Wir folgten dann am Abend. Auf Grund der Genehmigungsprobleme war es uns nicht möglich die Zeit in Shanghai so zu nutzen, wie wir es gerne getan hätten. Nichtsdestotrotz konnte ich Shanghai nicht verlassen, ohne iglidur® wenigstens mal kurz in Downtown zu sehen (Übrigens, Shanghai ist mit 22 Millionen Einwohnern die sechsgrößte Stadt der Welt, wenn man nach dem städtischen Einzugsgebiet geht (über 400 Personen je Quadratkilometer)). Außer Shanghai downtown haben wir von dieser unglaublichen Stadt leider nicht viel gesehen. Ich werde euch dafür dann mehr von Peking zeigen.

Shanghai - Quingdao (725km).4 Shanghai - Quingdao (725km).5 Shanghai - Quingdao (725km).6

Wir sind gerade auf dem Weg nach Quingdao. Quingdao liegt am Gelben Meer und ist mitunter die wichtigste Chinesische Hafenstadt.  Mit über acht Millionen Einwohnern geht Quingdao eher als mittelgroße Stadt durch (Meine Kollegen hier haben gelacht, als ich erzählte, dass Berlin mit 3,5 Millionen Einwohnern die mit Abstand größte Stadt in Deutschland ist). Quingdao ist historisch mit Deutschland verbunden. Es war Teil deutscher Kolonie bis 1914. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass es dort auch eine Brauerei gibt, die seit 1903 nach deutschem Reinheitsgebot braut (Tsingtao). Vielleicht liegt es an der deutschen Brauerei oder es ist reiner Zufall, dass ein deutscher igus® Händler in Quingdao lebt, der uns gerne treffen möchte.

Ich würde den Blog gerne nutzen, um euch in Zukunft in ein bis zwei Sätzen ein paar Leute vorzustellen, die in unserem Projekt involviert sind. Ich fange mit Carte an. Carte ist dreißig Jahre und arbeitet seit 2011 für igus® als Verkäufer für den Automotive Bereich. Vielleicht wird er mich die gesamte China tour begleiten, Also vermutlich ein Gesicht, das ihr noch öfters sehen werdet.
Als ich ihn nach seiner sportlichen Leidenschaft gefragt habe, da meinte er nur: Kundenbesuche!
Vorbildlich Kundenbesuche als sportlliche Leidenschaft zu sehen (vielleicht hat er mich aber auch einfach nur falsch verstanden 🙂  ).

Shanghai - Quingdao (725km).7

Im nächsten Eintrag werde ich euch verraten, ob die Hauptstraße in Quingdao immer noch “Marktstraße” heißt.

Bis dann,

euer Sascha

Igus Indien nimmt Abschied!

Unvorstellbar, dass die Indien Tour schon vorbei ist. Es fühlt sich komisch an auf der Straße kein Hupen zu hören. Ich denke das “rumgehupe” bleibt etwas, das ich auf immer mit Indien in Verbindung setzen werde.

Natürlich hat sich igus Indien ordentlich von iglidur® verabschiedet. Einen Tag bevor wir unser Auto dem Zoll übergaben, veranstalteten wir ein kleines “Goodbye” Event. Hier einige Eindrücke und Highlights, die ich gerne mit euch teilen würde:

Zum Auftakt begleitete eine südindische Band iglidur® zum Ehrenplatz vor der Tribüne. Dort empfingen unser Auto, neben igus Indien, auch geladene Gäste und Journalisten.

Igus India says goodbye!

Nach einer Eröffnungszeremonie mit einer traditionellen Tanzshow…

Igus India says goodbye!.2

…begannen wir unser Programm. Erster Punkt, die manus Gewinner. Aus gegebenen Anlass haben wir das Ende der Indien tour mit der Vergabe verknüpft.

Gold und 100.000 Rupies gingen an Herrn Harshwardhan Gupta, bzw. an seine Tochter (rechts). Tragischerweise ist Herr Gupta die Nacht zuvor verstorben. Herr Gupta hat eine Schneidemaschine perfektioniert, bei der er zwar vor allem von Drylin® Gebrauch machte, aber auch noch unzählige andere Teile verwendete. (Neubauplan Automation).

Silber und 75.000 Rupies waren der Verdienst von Herr Munir Pansare (Tata Motors), der unter Verwendung von iglidur® JVSM eine Geräuschreduzierung für eine Lenksäule erzielen konnte (Mitte).

Zu guter Letzt gebührte Frau Manhari Govankop (Mahindra & Mahindra) die Ehre, Bronze und 50.000 Rupies für eine Traktoranwendung entgegen zu nehmen. Bei der Anwendung machte sie Gebrauch von igubal® WGRM.

Igus India says goodbye!.3

Nach der Preisvergabe erhielten Kinder, die in Heimen und auf der Straße leben, in Form von dem Freiwilligennetzwerk make a difference zusätzlicheUnterstützung. Make a difference erhielt von igus Deutschland 4600€ Euro, die durch die gefahrenen Kilometer in Indien zustande kamen. Zusätzlich spendete igus Indien 100 weitere Rupies für jeden gefahrenen Kilometer. Isgesamt kamen damit 851.000 Rupies zustande, was in etwa 10.000€ entspricht! Mit dem Geld wird die Schulausbildung von dutzenden Kindern gesichert.

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Es war ein sehr erfolgreicher Start unserer iglidur® on tour Weltreise. Dies war nur möglich, auf Grund des außergewöhnlichen Einsatzes vom gesamten igus Indien Team.

Igus India says goodbye!.5

Danke auch nochmal für eure wahnsinns Gastfreundlichkeit und eure Unterstützung. Ich habe mich vom ersten Moment an willkommen gefühlt.

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Nächster Stopp ist Shanghai. Bis in ein paar Tagen dann.

Igus India says goodbye!.8

Euer Sascha

Vom Ursprung bis zum Ende…

Was für ein Finale für unsere Indien tour. Unser Auto hat seinen Schöpfer getroffen!

From the beginning to the end..

Gut hundert Leute fanden sich ein als iglidur® auf das Betriebsgelände der indischen Mercedes R&D Nierderlassung fuhr.

From the beginning to the end....2

Das Staunen war groß als die Belegschaft erfuhr, dass das mehr oder weniger eigene Auto, mit iglidur® Lagern verbessert, auf Weltreise geschickt wird. Das hat sich auch der Direktor, Herr Koellermeyer, nicht entgehen lassen:

From the beginning to the end....3

Ebenso konnte der führende Ingenieur, der schon seit zwei Jahren Erfahrung mit unseren Produkten hat, es sich nicht nehmen lassen, auch ein paar Worte zu sagen:

Wir kamen gerade frisch aus Chennai, von unserer letzten Tour auf der Indien Reise. Chennai liegt im Osten von Indien am indischen Ozean. Stellt euch vor, ihr seid in einer Sauna. In dieser Sauna sind nicht nur 100% Luftfeuchtigkeit, sondern dort leben auch ein paar Millionen Menschen. Das beschreibt in etwa das Klima in Chennai.
Wir verließen Bangalore schon um fünf Uhr morgens um die sechs Stunden Fahrt schnell hinter uns zu bringen, Kunden zu besuchen und Fotos, Videos zu machen. Wenn ihr nichts dagegen habt, dann würde ich dieses mal gerne die Kundenbesuche und die Fahrt aussparen.

From the beginning to the end....4

Hoch oben auf einem Hügel, inmitten von Chennai,liegt eine Kathedrale. Von dort hat man einen unglaublichen Blick auf die gesamte Stadt. Etwa 100-200 Meter unterhalb der Kathedrale befindet sich ein Parkplatz, der höchste Punkt den man mit dem Auto offiziell erreichen kann. Möchte man weiter hoch bedarf es einer Sondergenehmigung.
Wir suchten das Gespräch mit der zuständigen Kirche und trafen Pfarrer Aeja, unter dessen Schirmherrschaft die Kathedrale fällt. Aeja arbeitet eng mit dem Freiwilligennetzwerk make a difference zusammen. Sie fördern Straßen-und Weisenkinder. Ein Projekt das auch wir gerne unterstützen. Er war so begeistert davon, dass wir make a difference umgerechnet 1,20€ pro Kilometer spenden, dass er uns nicht nur eine Sondergenehmigung gab, sondern uns sogar begleitete.

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Am nächsten Tag brachen wir wieder gegen fünf auf. Wenn man schon die Gelegenheit hat, an einem Strand zu sein, der nach Osten zeigt, dann sollte man auch Fotos mit iglidur® beim Sonnenaufgang machen.

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Leider konnten wir das Auto nicht so nahe ans Wasser bringen, wie wir das eigentlich geplant hatten. Einige Kilometer westlich versuchten wir unser Glück erneut am Strand eines kleinen Fischerdorfes.

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Wir nutzten die Gunst der Stunde, um zu zeigen, dass unsere Lager nicht nur extremer Hitze und Luftfeuchtigkeit problemlos stand halten…

…sondern auch Sand und Salzwasser.

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Es war noch früh am Morgen als wir dann zu unserer zweiten Station aufbrachen. Ein Kollege hatte von einem Hügel/Berg erzählt, von dem man aus ein weites Tal überblicken kann. Der urpsüngliche Plan war dort ein paar Stunden zu verweilen und dann weiter nach Bangalore zu fahren. Naja, daraus wurde nichts. Indischer Verkehr hat wieder seine volle Wirkung entfaltet, so dass wir dort erst nach Sonnenuntergang ankamen. Spontan entschieden wir uns über Nacht zu bleiben. Das Hotel war zwar sehr “speziell” (z.B. ist drei mal der Strom ausgefallen), aber die Aussicht am nächsten Morgen hat das wieder gut gemacht.

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Ich kann kaum glauben das unsere Indienreise schon zu Ende geht. Die fünf Wochen vergingen wie im Flug. Nun ist die Zeit gekommen mich zu verabschieden. Ich möchte die Gelegenheit nutzen um mich bei meinen Indischen Kollegen bedanken. Danke für eure Gastfreundschaft und eure Unterstützung. Ihr habt meinen Aufenthalt hier zu einem unglaublichen Erlebnis gemacht. Ich werde auf jedenfall wieder kommen und euch und dieses großartige Land ein weiteres mal besuchen. Auf dem Hinflug saß ich neben einem Mann, der schon das vierte mal nach Indien flog. Als ich nach seiner Einschätzung fragte, sagte er nur: “Einmal Indien, immer Indien!” Da ist was dran, das kann ich bestätigen!
Das nächste mal melde ich mich bei euch aus China. Ich werde mich ein paar Tage aus dem Blogschreiber-Business zurück ziehen.

Bis Shanghai dann.
Euer Sascha

Neu Delhi – Wir haben das Auto!

In meinem letzten Eintrag habe ich angedeutet, dass es eine Verbindung zwischen einer Herde Schaafe und unserem Auto gibt. Lasst mich euch davon erzählen.

Die zwei Tage, die wir damit verbracht haben iglidur® aus den Fängen Indischer Bürokratie zu befreien, waren sehr ermüdend. Sieben Stunden können sich ziehen wie eine ganze Woche, wenn man einfach nur rum sitzt und nichts machen kann. Am zweiten Zoll-Marathon-Tag haben wir unsere Zollabfertigung vom Bürogebäude in ein kleines indisches Café ausgelagert. Während wir mit dem Beamten die Dokumente durch sahen, vernahm ich plötzlich ein leises “mäh”. Zuerst nur ein einzelnes. Dann mehrere. Es war eine sehr sonderbare Erfahrung eine Herde Schaafe am Cargo Bereich eines Internationalen Flughafens zu sehen. Wieder einmal hat Neu Delhi mir seine unglaubliche Vielfalt präsentiert. “Vielfalt” wäre auch der Begriff, den ich benutzen würde um Neu Delhi mit einem Wort zu beschreiben. Sobald man sich einmal an Delhi gewöhnt hat, ist es einfach überwältigend Menschen mit so unglaublich unterschiedlichem Hintergrund in Frieden zusammen leben zu sehen.

Nach ungezählten Stunden bekamen wir dann endlich unser Auto, mein Gefährt für die nächsten Monate. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen wie erleichtert wir waren. Natürlich haben wir es uns dann auch nicht nehmen lassen am nächsten Tag damit ein wenig die Stadt unsicher zu machen. Oder eher die Stadt uns (wegen der anstehenden Messe/Konferenz haben wir das Auto nur mit Samthandschuhen angepackt). Ich fande es erstaunlich zu sehen, wieviel Aufmerksamkeit unserer orangefarbener Kleinwagen auf sich zieht. Gut, ein solches Auto, vor allem in einer solchen Farbe wird auf dem Indischen Markt nicht verkauft. Nichtsdestottrotz hat es mich gewundert wie neugierig die Leute waren. An roten Ampeln kam es z.B. nicht selten vor, dass Taxi Fahrer uns ansprachen. Ebenso wo wir das Auto immer für die Nacht parken. Eine Gruppe Kinder schien mehr Interesse am Auto zu haben, als daran ihr Kricket Spiel fortzusetzen.

Neu Delhi - Wir haben das Auto! Neu Delhi - Wir haben das Auto!.2 Neu Delhi - Wir haben das Auto!.3

Ich wäre gerne mit dem Auto ins Zentrum gefahren, aber beide meiner Kollegen haben strikt davon abgeraten. Nachdem ich dann das erste mal Old Delhi hautnah erlebt habe, konnte ich ihren Rat absolut nachvollziehen. Mal abgesehen von dem Chaos was da auf den Straßen herrscht, wurde ich selten mit so vielen Eindrücken auf einmal konfrontiert. Kleine Gassen, die versteckte wunderschöne Moscheen und Tempel einkreisen, eine Vielzahl an bekannten und unbekannten Gerüchen, ununterbrochenes Stimmengewirr vermischt mit dem nie stoppenden Hupen und Menschen, die sich überall durchdrängen, feilschen, im Gespräch sind oder einfach ihrem Geschäft nachgehen. Kurz gesagt, alles ist voller Leben. Das ist ein Punkt, den auch ein Indischer Kollege schon mal erwähnt hatte. Als er in Deutschland zu Besuch war, hat er sich manchmal ein wenig einsam gefühlt hat. “Die Straßen in Deutschland seien so leer. In Indien wimmelt es immer überall von Leben”.
Eine Sache, die ich jedem ans Herz legen kann, der Delhi besuchen möchte: Kauft euch einen Tee, sucht euch einen netten Platz zum Verweilen und beobachtet einfach mal eine Zeit lang das geschehen (Die Tees sind übrigens sehr gut. Mich erinnern sie immer an Masala (Tee mit Milch und Gewürzen) auch wenn mein indischer Kollege immer sagt, dass Masala anders schmeckt.)

Neu Delhi - Wir haben das Auto!.4 Neu Delhi - Wir haben das Auto!.5

Ich spare mir jetzt über die Pressekonferenz zu schreiben, da es darüber einen Artikel auf meinem Blog gibt. Ich möchte jedoch kurz das Freiwilligennetzwerk “make a difference” erwähnen, dass für jeden von uns gefahrenen Kilometer einen Euro erhält. “Make a difference” arbeitet mit Kindern, die auf der Straße leben oder in Waisenhäusern aufwachsen. Vor allem liegt der Fokus ihrer Arbeit auf der schulischen Erziehung, um Kindern aus armen Verhältnissen später einmal besser Chancen zu bieten (http://makeadiff.in/uat/). Es ist super, dass wir unseren Indien-Trip mit der Unterstützung dieser Organisation verbinden.

Es gibt noch viel mehr das ich euch berichten kann. Ich habe das Gefühl, dass ich schon fast ein Buch schreiben könnte und dabei hat der Trip noch nicht mal richtig begonnen. Wir planen 4000km durch Indien und denken darüber nach Wüsten, Küsten und Naturreservate zu passieren. Ich denke danach kann ich eine ganze Buchreihe schreiben. Bis es aber soweit ist, werde ich euch immer über diesen Blog auf dem Laufenden halten.

Bis zum Nächsten mal,

euer Sascha

 

 

TÜV Abnahme

Geschafft!

Die letzte Hürde ist genommen! Doch es lief nicht alles so reibungslos wie erhofft. Für einen kurzen Zeitraum stand die Abnahme sogar auf der Kippe.

TÜV driving-approval!

Als der Mitarbeiter vom TÜV erschien, strahlte noch jeder Zuversicht aus und anfangs hätte es auch kaum besser laufen können!

Die Lager, die problemlos einsehbar waren, wurden direkt am Auto inspiziert.

TÜV driving-approval!.2Johannes Thomé zeigt dem TÜV Mitarbeiter das Lager, das die Arretierung vom Sitz ermöglicht. 

Für die anderen Gleitlager lagen Bilder und Zeichnungen vor. Es musste nachgewiesen werden, wo die Lager genau angebracht sind. Des weiteren welche Kräfte wirken und das die Lager diesen Kräften stand halten können.

TÜV driving-approval!.3 TÜV driving-approval!.4Johannes Thomé zeigt dem TÜV Mitarbeiter wo Lager am Fensterheber ausgetauscht wurden und welche Kräfte diese aushalten

Bei manchen Lagern mussten Tests durchgeführt werden, z.B. für die Scheibenwischeranlage. Dort trat ein erstes kleineres Problem auf. Die Scheibenwischer waren nicht exakt arretiert. Zum Glück konnte dies mit ein paar Handgriffen wieder behoben werden.

TÜV driving-approval!.5Johannes Thomé nimmt Änderungen am Scheibenwicher vor

 

Anders beim Verdeck:

Vor der Abnahme hatte vor allem das Verdeck den Studenten an der Fachhochschule Kopfzerbrechen bereitet. Neben den Lagern (zwei am Schließzylinder, vier in der Umlenkung und sechs weitere in der Kinematik) wurden auch die Gleitstücke, die das Verdeck beim Schließen und Öffnen führen, ausgetauscht. Jeder kennt ihn, den berüchtigten Vorführeffekt. Auch wir wurden nicht davon verschont. Bei der Abnahme klemmten die nachproduzierten Gleitstücke. Ein voll funktionstüchtiges Verdeck ist aber Grundvoraussetzung für die Zulassung.

Gleitstücke, die das Verdeck führen, klemmten bei der Abnahme

Glücklicherweise waren die original Gleitstücke noch vorhanden. In einer kurzen Unterbrechung von ein paar Stunden war es dann möglich diese wieder einzubauen. Ein Rückschlag, der zwar ärgerlich aber verkraftbar ist.

Der letzte Test war eine Messung zur Klemmkraft der Fensterheber. Beim Fensterheber sitzen die Rollen, die den Seilzug beim Öffnen der Fenster führen, auf iglidur® Lagern auf.

Das Auto ist nicht mit einem Reversierbetrieb ausgestattet. Dieser sorgt normalerweise dafür, dass man nicht seine Hand abtrennt, wenn man sie zwischen Fenster und Verkleidung hält. Die Scheibe stoppt dann automatisch. Da unser Auto diesen automatischen Schutz nicht hat, darf das Fenster beim Schließen maximal eine Kraft von 100N (Newton) im Klemmbereich nicht überschreiten. Messungen bei der Abnahme kamen jedoch auf Werte zwischen 150-160 N, was deutlich zu hoch war. Unter diesen Umständen ist es nicht möglich, dass Auto zu zulassen!

TÜV driving-approval!.7Testdurchlauf der Fensterheber, bevor die Messung durchgeführt wurde

Die Abnahme stand auf der Kippe! Fieberhaft wurde nach einer Lösung gesucht. Nach längerer Internetrecherche stießen wir dann auf eine Klausel. Diese besagt folgendes: Wenn das einzige automatische Fenster auf der Fahrerseite ist und sich dieses nur verfahren lässt, wenn die Zündung eingeschaltet ist, dann ist die Sicherheit durch den Fahrer zu gewährleisten und der Wert von 100N darf überschritten werden!
Dies war eine Ausnahmeregelung, die glücklicherweise auf unser Auto zu traf.

Es war knapp, aber zu guter Letzt konnte die Zulassung doch ausgehändigt werden!

Unser Auto für “iglidur® on tour” hat die TÜV Abnahme bestanden! Ende gut, alles gut! Nächster Stopp, Neu Delhi INDIEN!

Vierte Woche Umbau!

Die Zeit wird knapp…

Fourth week of remodelling!

…und unser Auto für “iglidur® on tour” geht in die letzte Phase des Umbaus! Am Scheibenwischergestänge müssen noch Lager gewechselt werden! Gleitteile für das Verdeckmodul werden erst noch nachproduziert! Unser Auto ist immer noch nicht eingekleidet etc. Noch einiges an Arbeit liegt vor den Jungs in der FH und am 20.01.2014 geht der Wagen schon auf Tour. Der Flug für Indien ist gebucht! Es wird eng!

Hier ein paar ausgewählte Dinge, die noch erledigt werden müssen:

1.) Die Gleitstücke, die das Verdeck führen, wurden schon mit CAD nachdesigned und Modelle in 3D ausgedruckt. Nun geht es darum, zu prüfen, ob die Gleitstücke zu hundertprozent passen. Wenn diese nicht einwandfrei sitzen, dann lässt sich das Verdeck gar nicht erst bewegen. Das Stück am Gleitteil, welches den Höhenausgleich (nennen wir es einfach “Höhenausgleicher”) erlaubt, hat die Profis in der FH vor Herausforderungen gestellt. Der nachproduzierte “Höhenausgleicher” war nicht flexibel genug. Erfinderisch kam man auf die Idee, das flexible Stück gegen Federstahl auszutauschen und diesen nachträglich mit einer Gleitfolie zu versehen.

Bild unten: Der “Höhenausgleicher” ist mit einem orangen Streifen markiert

2.) Am Scheibenwichergestänge werden noch Gleitlager ausgetauscht, über die der Wischer geführt wird. Wenn das Gestenge vom Motor angetrieben wird, wird es so umgelenkt, dass es die Scheibenwischer bewegt. Der Bolzen, auf dem der Wicher aufsitzt wird beweglich in zwei Gleitlagern gelagert.

3.) Das Auto ist noch nackt und muss noch in seine sexy, orange Hülle gesteckt werden!

 Die vier Gleitlagerpunkte, an denen nun igus® Kunststofflager sitzen

Doch auch wenn noch einiges vor den Jungs in der FH liegt und die Zeit eng wird, so möchte man doch darauf hin weisen, dass in der Zwischenzeit außerordentlich viel passiert ist. Hier einige ausgewählte Neuheiten:

Schaltmodul: Am Schaltmodul wurden gleich vier Lager ausgetauscht. Zwei dickwandige, geschmierte Metallbuchsen am Schalthebel, die zur Arretierung des Ganges dienen, wurden gegen igus® Kunststofflager ausgetauscht. Die Lager können sich nicht nur um die stehende Welle drehen, sondern halten auch wechselndem radialen Druck stand. Besonders zu beachten waren hierbei die geringen mechanischen Eigenschaften, wie z.B. die Festigkeit und Steifigkeit der vorhandenen Welle, da diese aus Kunststoff ist. Normalerweise treten unter solchen Bedingungen hohe Verschleißerscheinungen auf, die eine starke Wärmeentwicklung mit sich führen. Diese kann durch die schlechte Wärmeleitfähigkeit der meisten Kunststoffe nicht abgeführt werden. Der igus® Werkstoff iglidur  P210 jedoch kann dieser Kunststofffeindlichen Umgebung trotzen.

Ebenso wurden zwei Lager am oberen Teil des Schalthebels ausgewechselt. Die original “Clipslager”, die stark in Fett eingelegt waren, sind gegen trockene igus®-Sonderlager ausgetauscht worden. Diese wurden mit Nuten versehen, so dass die Lager axial und radial gegen Auswandern und Verdrehen gesichert sind. Diese Lager dienen dazu, die Kräfte aufzunehmen, welche über den Schwenkwinkel beim Wechsel von Vorwärts- und Rückwärtsgang entstehen.

Bild oben: Lager zur arretierung des Ganges / Bild unten: Am oberen Teil des Schalthebels werden zwei eingelegte “Clipslager” gegen trockene igus® Lager ausgetauscht

Das Bremspedal: Hier sind zwei Kunststofflager ausgetauscht worden.  Wenn gebremst wird, gleitet das Pedal reibungslos auf zwei igus® Gleitlagern. Diese sitzen auf einem Bolzen, der Pedal und Träger miteinander verbindet.

Der Sitz: Da vom TÜV aus keine sicherheitsrelevanten Dinge verändert werden dürfen, wurde beim Sitz nur ein Lager am Entriegelungsmechanismus ausgetauscht. igus® Gleitlager führen die Stange, die den Sitz entriegelt, damit man ihn nach vorne oder hinten verschieben kann.

Fourth week of remodelling!.8

Der altbekannte Fensterheber:  Vor dem Umbau saß die Rolle, die den Seilzug lenkt, direkt auf einem vernieteten Bolzen. Im Rahmen des Projektes wurden die Bolzen aufgebohrt und neue nachgefräst. Auf den neuen Bolzen befindet sich jeweils nun ein iglidur® Gleitlager, das eine reibungslose Bewegung der Rolle ermöglicht.

Fourth week of remodelling!.9

Handbremse: Auch die Handbremse war schon mal im Gespräch. Vor dem Umbau lag der Handhebel einfach auf dem Bolzen, der Handhebel und Träger miteinander verbindet. Seit dem Umbau liegt ein igus®Gleitlager dazwischen.

Drosselklappe: Der Bolzen, der die Drosselklappe aufhängt, ist nun beweglich in zwei iglidur® Gleitlagern gelagert.

Fourth week of remodelling!.11

Ob das Auto rechtzeitig fertig wird, erfahrt ihr zur großen Pressekonferenz am 20.01.2014 in der igus® Zentrale in Köln. Bis dahin heißt es Daumen drücken und toi toi!

Interview mit Johannes Thomé

Interview mit Johannes Thomé

Johannes Thomé, Jahrgang 1984, ist ausgebildeter KFZ Mechatroniker. Nach seiner Ausbildung begann er ein Studium an der FH Köln, wo er seinen Bachelor of engineering im Bereich Fahrzeugtechnik erwarb. Seitdem arbeitet er neben dem Master-Studium als Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Herrn Prof. Dr.-Ing. Manfred Wallrich am Institut für Fahrzeugtechnik im Fachbereich Konstruktionslehre, Fahrzeugsicherheit und Sachverständigenwesen.

Johannes Thomé leitet den Umbau und bereitet das Auto für die Weltreise vor.

Hi Johannes, erstmal danke, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärst.
Ihr seid jetzt seit einigen Wochen dabei das Auto umzurüsten.

Welche Teile habt ihr bis dato schon gegen igus® Teile ausgetauscht?

Bis jetzt haben wir Lager am Bremspedal, im Schaltmodul, in der Sitzkonsole, am Handbremshebel, am Startergenerator, an der Drosselklappe und sämtliche Lager des Verdeckmechanismus ersetzt.

Da habt ihr bis jetzt ja schon einiges geleistet. Sicher läuft so ein Umbau nicht immer ohne Probleme ab. Was stellt euch vor Herausforderungen, bzw. fandest du bis jetzt am schwierigsten?

Etwas schwierig finden ist eine sehr subjektive Sache. Ich mag Herausforderungen und denke da eher objektiv und konstruktiv. Stets nach dem Motto: „Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder brauchen etwas länger“.
Aber mal im Ernst, ich denke die größte Herausforderung an dem Projekt ist der Verdeckmechanismus. Das Ganze beim Einbau wieder vernünftig eingestellt zu bekommen war viel Arbeit. Der hintere Hebemechanismus ist aber bereits wieder eingebaut und läuft einwandfrei. Die ganze Kinematik muss sehr präzise laufen, damit das Verdeck nicht klemmt bzw. sich überhaupt in Bewegung versetzt. Und damit nicht genug, denn wir wollen ja auch nicht das sich abweichende Spaltmaße ergeben, sondern das ganze System soll hinterher mindestens genauso gut laufen, wie es ab Werk lief. Wobei die Betonung auf „mindestens“ liegt.
Das Verdeck bis ins Kleinste zu zerlegen war wirklich ein Wagnis und in diesem Zusammenhang möchte ich auch den Igus Mitarbeiter Herrn Michael Krug erwähnen, der im Rahmen dieses Projekts erstklassige Arbeit bei der Anpassung sämtlicher Lagerstellen, der Lager selbst und der Werkstoffauswahl leistet. Die Zusammenarbeit ist richtig gut!

 

 

 

Johannes Thomé tauscht ein Originallager gegen ein igus® Lager aus

Wo bist du skeptisch und hast dich gefragt, ob das Auto oder das Lager das alles so aushalten wird?

Also mir hat das Auto gesagt, dass es das aushalten wird. Ne mal Spaß beiseite.
Das Domlager oben am Federbein hat mir ein wenig Kopfschmerzen bereitet. Hier sind schon beachtliche dynamische Kräfte am Werk.
Es geht weniger darum, dass ich dem Kunststoff nicht zu traue eine solche Funktion zu übernehmen, sondern darum, dass die Welttour nicht der passende Rahmen zur Ersterprobung ist. Die Sicherheit des Fahrers hat oberste Priorität. Wir haben uns entschieden es nicht ohne Erprobung zu verbauen, werden aber nach der Tour darauf zurückkommen und erste Versuche starten.

 

Das Lager am Federbein, das letztendlich doch nicht ausgetauscht wird

An welchen Modulen plant ihr noch Lager auszutauschen?

Im oberen Teil des Verdecks gibt es in Fahrzeug-Fahrtrichtung am vorderen Ende noch zwei Gleitlager pro Fahrzeugseite, die wir ersetzen möchten. Außerdem wird das Verdeck mit sogenannten Gleitstücken in Längsrichtung geführt. Ich erarbeite gerade mit CAD per Hand eine verbesserte, einstellbare Variante dieser Teile, da der zuerst geplante 3D Scan wegen des komplexen Aufbaus nicht funktioniert hat. Mit Hilfe der CAD-Modelle werden die Teile dann zunächst mit einem 3D Drucker in herkömmlichem ABS Kunststoff ausgedruckt und deren Passgenauigkeit durch den Einbau am Fahrzeug überprüft. Nach eventuellen Veränderungen kann dann das überprüfte CAD Modell verwendet werden, um die Gleiter aus igus® Vollmaterial zu fräsen. Eine weitere und letzte Stelle sind die Fenerhebermodule, an denen die Umlenkrollen der Seilzüge ersetzt werden.

 

Die Gleitstücke die aus igus® Vollmaterial nachgebildet werden

Was gefällt dir persönlich besonders gut beim Umbau?

Mir gefällt die Detailarbeit. Wir gehen hier an Stellen heran, an denen normalerweise keine Reparaturen oder Veränderungen durchgeführt werden. Zum Beispiel die Verdeckkinematik und das Schaltmodul. Wie der Name Modul schon andeutet, handelt es sich um eine geschlossene Einheit, die nicht zum Öffnen vorgesehen ist. Böse Zungen sprechen in Bezug auf Mechaniker im Kfz-Handwerk auch mittlerweile von „Teiletauschern“. Ganz so drastisch würde ich es nicht formulieren, aber es ist schon so, dass Bauteile seitens der Hersteller immer mehr zu Baugruppen (Modulen) zusammengefasst werden. Da wird dann genietet, gestanzt, verpresst und verkapselt. In einem herkömmlichen Reparaturbetrieb bleibt da oft gar keine technische Möglichkeit solche Module unter die Lupe zu nehmen, vom Zeitaufwand mal ganz abgesehen.
Für mich als Fahrzeugingenieur ist dieser Umbau eine gute Abwechslung zur Büroarbeit. Außerdem macht es mir Spaß mit den Spezialisten von igus® zusammen zu arbeiten.

 

 

Das Schaltmodul, bei dem Lager ausgetauscht werden

Danke für das Interview und noch gutes Gelingen.